Breaking Bad – Eine Reise geht zu Ende

Mit einer sich langsam ausbreitenden Gänsehaut verfolge ich die letzten Minuten der vorletzten Folge der lang erwarteten letzten Staffel von Breaking Bad. Ein Meisterstück, ein Kunstwerk, das gemeinsam mit seinen Zuschauern eine unfassbare Entwicklung durchgangen hat, denn wie Walter White uns schon zu Beginn der Serie mitteilte : “Chemistry is transformation“. Als ich mir die erste Staffel vor circa einem Jahr ansah, braucht es wirklich eine ganze Weile bis ich fasziniert war. Der Anfang war schleppend, und so wirklich konnte ich noch nicht erkennen was den alle an dieser Serie so fanden. Dies sollte sie sein, die beste Dramaserie unserer Gegenwart? Doch etwas hielt mich immer an der Stange, etwas schaffte es, dass ich mir auch die bis dato vier erschienenen Staffeln zulegte, um dann innerlich aufatmen zu können, dass ich nicht zu schnell den Glauben an Breaking Bad verloren hatte. Ich kann nicht genau beschreiben was dies war. Die wahnsinnig gute Performance von Bryan Cranston den ich ,wie wahrscheinlich viele andere, nur aus Malcom Mittendrinn kannte? Die Entwicklung des durchschnitt-Familienvaters/Highschool-Lehrers Walter White zum Badass-Drogenboss Heisenberg? Der Wandel von einer Person, zu der man einst gehalten hat, für die man Sympathie empfunden hat  und dessen Aktionen man legitimisiert hat zu einer Person, die das Böse in Person ist und dessen einzige Erlösung mittlerweile nur noch im Tod zu finden sein wird? Es war vor allem ein Gefühl, ein Verlangen nach Mehr, auch wenn auf dem ersten Blick nicht jede Episode die Action in Folgenform war. Nachdem ich in Walts missliche Lage eingetaucht war, war es auch in meinem Interesse zu erfahren wie diese schlimme, schlimme Odyssee denn zu Ende gehen sollte. Vom Krebs bis hin zum illegalen Crystal Meth Kochen und Verkaufen, inklusive dem Gehen über diverse Leichen und der ständigen Frage, für wen Walter diese Gefahren tatsächlich einging.
Und das schöne ist, nach dem Ende der vorletzten Folge sind wir, die Fangemeinde, kein bisschen schlauer, als zu Beginn der finalen Staffel. Sicher wir wissen das ein oder andere Detail, das zu der einen oder andere Entwicklung in den letzen 50 Minuten führen könnte, der Inhalt des Finales kann uns jedoch noch stets überraschen. In fünf Staffeln Breaking Bad haben wir gelernt, dass die Macher es geradezu meisterhaft schaffen Spannung aufzubauen und bis auf den letzten Drücker hinaus zu zögern.

Auch in der letzten Staffel konnte man dies erkennen, bis das eigentliche Finale „eingeläutet“ wurde dauerte es erneut seine Zeit. Jetzt gibt es jedoch keinen Ausweg mehr. Die Aufgabe dieser letzten, alles zu einem Ende bringenden Folge ist es nun, einen phänomenalen Abschluss zu finden, einen Höhepunkt in Serienform den man nicht mehr so schnell vergessen wird, denn das, und nur das ist, was von einer Serie mit einer so durchgängig hohen Qualität wie Breaking Bad erwartet wird, und ich bin mir absolut sicher dass Vince Gilligan und co. diese Aufgabe bewältigen werden. Was wir auch von Breaking Bad gelernt haben ist, dass es wenn es knallt, richtig knallt. Mit diesem Denkanstoß öffne ich doch schon mal meinen imaginären Kofferraum in dem sich, huch was für ein Zufall, ein schniekes M60 befindet.

© AMC
Diese letzte Szene der siebten Folge zeigte uns den gebrochenen Walter White, den einsamen Walter White, der vom erneut ausgebrochenem Krebs geplagt bereits seine Tage rückwärts zählt, und der sich innerlich an einem bisher noch nicht erreichten Tiefpunkt befindet der ihn sogar dazu bringt sich letztendlich zu stellen um das Kapitel „Heisenberg“ ein für alle Mal zu beenden. Kurz nach diesem Entschluss, ein letztes Glas Whiskey zum Abschied in der Hand, sieht Walter zwei alte Bekannte in einem Fernsehinterview über ihn reden. Eliot und Gretchen Schwartz, Charaktere mit denen Walt zu Beginn der Serie gewisse Differenzen hatte, wieder einzuführen war eine durchaus gelungene Idee.

Hier schließt sich ein gewisser Kreis, da die ganze Hintergrundgeschichte mit Grey Matter Industries und den Schwartz’s  auch ein essenzieller Grund für das Handeln von Walter war. Das Streben nach Anerkennung und dem Respekt den er eigentlich verdiente. Besagtes Ehepaar lässt im Interview dann verlauten, dass Walt nie etwas mit Grey Matter zu tun hatte, und seine einzige Einbringung in die Firma in der Namensgebung stecke, wodurch sie versuchen sich vom Drogenkingpin Heisenberg loszulösen , dessen mögliche Verbindung zu GMI sicherlich nicht gut fürs Geschäft wäre. Auf die Frage des Interviewers, ob Walter White noch immer da draußen sei, antwortet Gretchen Schwartz dann, dass der nette, brillante Kopf Walter nicht mehr existiere.

Bryan Cranston zeigte hierbei wieder einmal was für ein verdammtes Schauspielgenie er doch ist. In seiner Mimik konnte ich den traurigen, sich seiner Lage bewussten Walt erkennen und es schien, als würde sich in diesem Gesichtsausdruck sowohl er als auch sein Alter Ego Heisenberg wiederspiegeln. Die zitternde Mundpartie zeigte die Wut, und das Wiederauftauen des furchtlosen Hutträgers. Absolut genial war auch die Musik die zu dieser Szene im Hintergrund gespielt wurde, welche nichts Geringeres war, als das eigentliche Intro der Show. Was sonst nur ein paar Sekunden lang in kurzen Gitarrenriffs abgespielt wurde, lief hier in einer abgeänderten längeren Version, während Walter mit entschlossenem Blick seine möglicherweise letzte, große Entscheidung fällt.

Kurz darauf sieht man die Polizei die Bar stürmen, die Kamera bewegt sich die Theke entlang, an der nur noch ein unberührtes Glas Whiskey steht, und die Folge ist zu Ende. Passender hätte man das Grande Finale nicht einleiten können. Ich verneige mich vor Vince Gilligan und seinem Team, und zücke jeden schwarzen Heisenberg-Hut den ich habe. Eine letzte Folge bleibt uns noch. Eine letzte Folge bleibt Heisenberg aka Walter White noch. Wird er seine Erlösung finden? Wird er Vergebung finden? Für wen ist das Rizin bestimmt, dass Walt aus seiner Wohnung geholt hat? Was passiert mit Jesse? Vieles, gar alles, steht noch in den Sternen. Aber eins hoffentlich nicht. Und zwar das wir alle mit dem ein oder anderem Tränchen im Auge gemeinsam innerlich dem Ende Beifall geben werden, wie auch immer dies Reise enden mag.

 

         

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