Humor in Videospielen

Wandert man heutzutage durch die mit Videospielen gefüllten Regale im lokalen Elektronikgeschäft, fällt eine Sache relativ schnell auf. Aus beinahe jedem Cover stieren einem die Charaktere mit finsterem Blick entgegen, werden ernste Gesichter gezogen, oder einfach nur durch kräftige Farbtöne der Eindruck von knallharten Welten vermittelt. Wie schwachsinnig und inkohärent manche Storys in Videospielen auch sind, die Präsentation nach außen ist stets verdammt ernst, und duldet keine Schmunzler und dergleichen. Warum muss das eigentlich so sein? Warum gibt es eigentlich so wenig Titel, die Humor als grundlegendes Spielelement implementiert haben?
  

Es war einmal…

Alte Hasen würden jetzt völlig zurecht aufspringen und die zeitlosen Point-and-Click Klassiker von Sierra und Lucasarts als Paradebeispiele für lustige Spiele nennen. Geniestreiche wie Day of the Tentacle, Monkey Island, oder Sam and Max überzeugten ihrerzeit wie heutzutage mit gewitzten Dialogen und nahmen sich zusätzlich selbst kaum ernst.
Das populärste und größte Beispiel für Titel, die heutzutage einen derart in den Vordergrund gestellten Humor besitzen, sind die beiden Portal-Teile von Valve. Gefangen und tyrannisiert von der sadistischen KI Glados, bekommt ihr es unter anderem mit sprechenden Lasergeschützen und einem tolpatschigen Roboterkern mit Machtkomplex zu tun.

Trotz all dem Absurden und Urkomischen, das Portal 1 und 2 beinhaltet hatten, schafften sie es in späteren Spielstunden einen ernsteren Ton anzuschlagen, den man dann als Spieler, im Gegensatz zu vielen anderen Storyverläufen in Spielen, auch ernst nahm.
Zwar sind durch den Indie-Aufschwung der letzten Jahre Titel wie Jazzpunk oder Octodad: Dadliest Catch entstanden, bei denen Humor klar als Spielelement deklariert wird, aber bei den Tripple-A Blockbustern wird sich weiterhin nur sehr selten bis gar nicht getraut, den dauer-ernsten Ton der meistens herrscht mit dem Element der Lustigkeit zu durchbrechen.

Insert joke here 

Obwohl sich Spiele schon seit vielen Jahren mehr und mehr dem Medium Film annähern, fehlt im Gegensatz zum großen Vorbild oft einfach noch ein Tick Leichtigkeit, mit der die Story vorangetrieben wird. Damit fordere ich nicht, dass intelligente und ernstzunehmende Spieleskripts ins lächerliche gezogen werden sollen, sondern finde, dass gut platzierter und pointierter Humor eine klare Bereicherung sein kann. So demonstrierte beispielsweise auch Battlefield: Bad Company wie man in eine altbackene Militärshooter-Kampane neuen Wind bringen kann. Der schwarze Humor, den der erste Teil der Spin Off Serie bot, überzeugte viele und wurde im Nachfolger schmerzlichst vermisst.

Auch die Fable-Reihe, die zwar qualitativ sehr schwankte, ergänzte ihre Inhalte mit ihrem einzigartigen britischen Humor um einen nicht zu unterschätzenden Faktor, denn ohne diesen wäre die Reihe sicherlich schneller aus den Köpfen der Leute verschwunden.

Ja, wie es aussieht stößt man auch heutzutage noch auf Lacher im Videospielsektor, nur muss man vielleicht etwas länger suchen als noch zu anderen Zeiten. Doch auch wenn ich die Portal-Spiele beispielsweise nicht missen möchte, bin ich ein wenig traurig darüber, dass ein solch absurder Humor wie in Day of the Tentacle, Monkey Island und co. mittlerweile offenbar der Vergangenheit angehört.
Ähnlich wie bei klassischen Komödien a la „Die Nackte Kanone“ findet sich eine derart abgedrehte und verrückte Humoristik nurnoch selten in modernen Spielen sowie Filmen und auch das humoristische Poinier-Genre der Point-and-Click Adventure verschwindet, trotz einiger Perlen von Entwickler Daedelic, immer mehr von der Bildfläche.

Ich bin zwar im Großen und Ganzen mit der Entwicklung der Spielelandschaft zufrieden, aber ein bisschen mehr Mut zur Albernheit würde ich mir trotzdem wünschen. Denn dann würden uns beispielsweise Spiele wie Fuse, welches von Insomniac Games zu seiner Ankündigung als spaßiger Coop-Shooter angekündigt wurde und anschließend zum langweiligen 08/15 Militärshooter verkommen ist, erspart bleiben. Und dass diese Fehlentscheidung sogar Insomniac selbst aufgefallen ist, wird jedem, der auch nur zehn Sekunden an Material von Sunset Overdrive gesehen hat, klar.

2 Kommentare

  1. Bulletstorm, Saints Row 2-4, Borderlands 1-2, GTA hat einen markanten Humor, ebenso wie Shadow of the Damned und ich nehme an, es gibt noch viele mehr, welche aufgezählt werden könnten 😉
    Natürlich kann das breite Spektrum an unterschiedlichen Spielern nicht abgedeckt werden, da es sich beim Humor völlig anders verhält, als gegenüber dem Thema Action.
    Es wäre aber auch nicht sonderlich förderlich, in jedem Spiel Humor einzubauen, da zum Teil ernstere Themen behandelt werden.
    Mir persönlich wäre eine komplexere und womöglich interessante Geschichte wesentlich lieber, als ständige Lacher, da diese nach einer Zeit nicht länger amüsierend wirken.

  2. Jaaa, im Nachhinein sind mir tatsächlich auch noch ein paar Titel mehr eingefallen, wobei man bei Saints Row sagen muss, dass die Reihe im Grunde größtenteils durch den markanten Humor von Teil 3 und 4 neuen Schwung bekam. Allerdings finde ich auch, dass diese Entwicklung des Humors eine noch relativ neue ist.

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