Die viel zu späte Destiny-Nachlese

Was ist Destiny? Ein Grafikblender? Eine Mogelpackung? Langweilig? Monoton? Oder sogar alles zusammen? 20 Level hat mein Jäger nun auf dem Buckel, die Story ist durch und die Motivation ist weg. Komplett. Das alleine ist noch kein Skandal, denn gemessen an der Zeit, die ich in Destiny gesteckt habe, gibt es genügend Spiele, die einen ähnlichen Umfang hatten (Um die 15 Stunden. Eigentlich akzeptabel, oder?) und die nach einmaligem Durchspielen ebenfalls ihre Reise zum Spieleregal antraten, um dort für alle Ewigkeiten zu versauern. Nun tue ich mich ein wenig schwer die in Destiny investierte Zeit zu bewerten. Dass ich von der Richtung, die Destiny letztendlich eingeschlagen hat schon vor dem Release etwas enttäuscht war, habe ich ja bereits in meinem Vorbericht über die Beta durchblicken lassen.Und leider ging es auch eher negativ weiter.

  
Ein weiteres Desaster

Neben dieser sich schon im Voraus anbahnenden Enttäuschung kam mit der Vollwertigen Version des Sci-Fi-Shooters von Bungie eine weitere dazu. Die Story. Da weiß ich auch ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Auch, da diese inhaltslose, unspannende und zu keinem befriedigendem Ziel führende „Geschichte“ schon im gesamten Kosmos des Spiele-Journalismus in jeglicher Form und Wortwahl auseinander genommen wurde. Dass die Entwicklung von Destiny im letzten Jahr vor der Veröffentlichung mit mehr Problemen zu kämpfen hatte, als man bisher gedacht hatte und dass in dieser Zeit auch Inhalte offenbar radikal gekürzt und verändert wurden, ist mittlerweile auch ans Licht gekommen. Nun ist natürlich tragisch, dass es ehemalige Qualitäten nicht ins Spiel geschafft haben, jedoch ändert dies nichts an den narrativen Eigenschaften der endgültige Version. Bedeutungsschwangere Sätze über die „Dunkelheit“ vorgetragen von gesichtslosen NPC’s, Cutscenes die man an einer Hand abzählen kann und das immergleiche monotone Gelaber von eurem Ghost (gesprochen von Peter Dinklage, ja solangsam wissen wir ‘s) definieren die extrem langweilige Geschichte von Destiny, die mit ihrer spannenden Ausgangslage eigentlich großes Potenzial hatte.

Geteiltes Leid?

Das Missionsdesign das euch auf den grafisch wirklich hübsch modellierten Planeten erwartet,
welche ihr mit eurem brausendem Speeder abklappert, macht die Situation auch nicht besser. Dieses Spiel ist Arbeit. Monotone Arbeit. Ich muss allerdings fairerweise zugeben, dass ich die meisten der frei ansteuerbaren Missionen auf eigene Faust erledigt habe. Sich bei einem Multiplayerspiel, das auf Coop-Spaß ausgelegt ist alleine durch Gegnerhorden zu prügeln widerspricht natürlich dem eigentlichen Gedanken, allerdings bezweifle ich, dass zwei Kumpel an meiner Seite einen sonderlichen Unterschied gemacht hätten. Dass ich gar keinen Spaß hatte, ist jedoch auch falsch. Im Gegenteil, Bungie-typisch ist das pure Gameplay wirklich gut gemacht. Das Handling der Waffen ist super, das Hantieren mit den Fähigkeiten der drei auswählbaren Klassen ist spaßig und das Aufpowern des eigenen Charakters bis zu einem gewissen Punkt spannend.



Und täglich grüßt das Murmeltier

Was einem dann aber nach nicht allzu langer Zeit den Spaß verdirbt, ist dann besagtes, monotones Missionsdesign, das ohne Frage einen Preis für besondere Leistung in eintönig sein verdient hat. Ihr rennt zu einem Zielpunkt während ihr gefühlt 1000 Gegner bekämpft, lasst euren Ghost eine Konsole hacken und bekämpft erneut gefühlt 1000 sich anbahnende Gegner. Ich wünschte, dies wäre eine überzeichnete Darstellung dessen, was man geboten bekommt, aber leider ist es genau so. Und zwar die ganze Zeit. Das eigentlich interessante Gameplay und die durchaus spannenden Kämpfe mit verschiedenen Gegnern, die mit unterschiedlichen Taktiken besiegt werden müssen, werden zur Qual, da man bereits nach wenigen Stunden komplett ausgelaugt von diesen gleichbleibenden Missionssabläufen ist. Dabei ist Destiny eigentlich ein Spiel, dass man im tiefsten Inneren gut finden möchte. Der Soundtrack ist wahnsinnig epochal, die Grafik, insbesondere die Lichtstimmung extrem beeindruckend, die Effekte und Geräusche in den Schusswechseln tragen gut zur Atmosphäre bei und selbst die Menüs und Designs drum herum wirken einladend.

Statt Endgame lieber “End Game”

Trotz all der Monotonie die ich irgendwann verspürte, spielte ich die Hauptkampagne durch, und levelte mich auf die, durch reines Sammeln von Erfahrungspunkten erreichbare, Maximalstufe 20. Was bleibt jetzt zu tun? Entweder weitere Waffen und Rüstungsteile in Deathmatch und Capture the Flag Multiplayer-Runden durch Zufallsprinzip gewinnen, sich durch Strikes schießen, die genauso monoton und abwechslungslos sind wie die normalen Missionen und für ihre lange Spielzeit unverschämt wenig Items bieten, oder für mehrere Stunden mit einem Dutzend andere Vollidioten in die Dunkelheit einer Höhle zu ballern. Keine Ahnung welche DLC’s und Erweiterungen Bungie noch im Sinn hat: Ich bezweifle stark, dass diese es schaffen mich zurück in die Welten von Destiny zu holen. Nachdem ich die Planeten allesamt bereist und die verschiedenen Gegnerarten gesehen hatte, war das Faszinosum „Destiny“ für mich ad acta gelegt.

Und trotzdem fühlte es sich irgendwie falsch an. Mit dem als Riesenprojekt angekündigten Spiel von Bungie hoffte ich vor Jahren noch selbige in den verlassenen Welten des Sonnensystems verbringen zu können. Wahrscheinlich bin ich nun einfach in der bitteren Realität angelangt. Das MMO Destiny war für mich daher unterm Strich nicht viel mehr als eine Enttäuschung. Eine grafisch blendende, abwechslungslose und erzählerisch mangelhafte Enttäuschung.

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