Better Call Saul – Review: Slippin‘ Bad

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Die kollektive Trauer nach dem Ende von „Breaking Bad“ war groß. Nachdem sich die tragische Geschichte des Chemielehrers Walter White über all die Jahre zu einer der beliebtesten und erfolgreichsten Serien aller Zeiten entwickelt hatte, war die Angst bei allen Fans des episodenhaften Mediums groß, dass die Abstinenz von „Breaking Bad“ ein gaffendes Loch in die Serienlandschaft schlagen würde. Umso höher waren deshalb die Erwartungen, als feststand, dass mit „Better Call Saul“ der ikonische Anwalt für kriminelle Verstrickungen, Saul Goodman, seine eigene Serie bekommen würde, in der die Vorgeschichte der beliebten Figur näher beleuchtet wird. Mittlerweile wurden die zehn Folgen der ersten Staffel zur Gänze ausgestrahlt, der Wirbel scheint sich allmählich gelegt zu haben und auch all die Euphoriegetränkten ersten Meinungen, die man zum Start von „Better Call Saul“ an vielen Stellen lesen konnte, verblassten nach und nach. „Schon jetzt besser als Breaking Bad“ ließ da der ein oder andere nach den ersten paar Folgen überschwänglich verlauten. Zurecht?

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Better call… 

In Staffel eins von „Better Call Saul“ erleben wir die Geschichte des Anwalts… nein, nicht Saul Goodman sondern Jimmy McGill. Nach einer kriminellen Vergangenheit und einer an einer Fernschule erworbenen Anwaltslizens, versucht sich „Slippin Jimmy“ mehr schlecht als recht als Verteidiger für das Gute durchs Leben zu schlagen. Sein Bruder Chuck, der in einer großen Kanzlei ebenfalls als Anwalt tätig war, aber mittlerweile dank einer Elektromagnetischen Hypersensitivität an sein Haus gefesselt ist, wird dabei Tag für Tag von Jimmy umsorgt, währenddessen dieser damit zu kämpfen hat, sich von seinen kriminellen „Ausrutschern“ loszueisen, die ihm selbst in seiner Tätigkeit als Anwalt noch heimsuchen.

Nun, ist „Better Call Saul“ jetzt besser als „Breaking Bad“? Kann man eine solche Frage überhaupt beantworten? Zu Letzterem würde ich eher nein sagen. Die durchaus spannende Geschichte des Anwalts-Anfängers ähnelt von der Stilistik her stark den letzten Staffeln von „Breaking Bad“, was jedoch mehr ein Zeichen für das Dazulernen von Vince Giligan und dem Rest des Teams ist, als für einen Qualitätsstand, der schon jetzt die Mutterserie übersteigt. Die erste Staffel startete jedoch tatsächlich verhältnismäßig stark und mit einem enormen Tempo in den ersten beiden Folgen, das im Verlauf der Serie geringer wurde, was das angespannte Mitfiebern anging, wodurch man sich jedoch auf seine tatsächlichen Kompetenzen berufen konnte.

Als Dramaserie mit einigen Comedyelementen ist die erste Staffel von „Better Call Saul“ bereits ein voller Erfolg und hat seine Qualitäten, wie seinerzeit „Breaking Bad“ in der stark Charakterzentrierten Erzählweise und all den moralischen und ethischen Zwiespälten, mit denen die Hauptfiguren in „Better Call Saul“ zu kämpfen haben. Neben der Zentralen Figur Jimmy McGill bekam auch der „Breaking Bad“-Liebling Mike Ehrmantraut einige Szenen geschrieben, die zu Beginn vielleicht noch ein wenig wie ein Fanservice wirkten, aber zunehmend an Wichtigkeit gewannen und in einer Solofolge für den Ex-Cop gipfelten, welche die Fähigkeit und Kompetenz aller an der Serie beteiligten glanzvoll unter Beweis stellte.

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Gemächlich, mit viel Potenzial

Als jemand der „Breaking Bad“ nunmal gesehen hat, kann ich nur schwer einschätzen, inwiefern „Better Call Saul“ für all diejenigen interessant ist, die mit dem Ursprung des Charakters nicht vertraut sind. Bisweilen lebt Jimmy McGills Erzählung vor allem von der Vorstellung, eines Tages den charakterlichen Bruch und die Entwicklung zum Unterstützer der Kriminellen als Saul Goodman bestaunen zu können. Die erste Staffel hat jedoch bereits unter Beweis gestellt, auf welch eine gelungene Art und Weise man eine bereits bekannten Figur in einem Spin-Off näher beleuchten kann, ohne sich dabei krampfhaft an die Erfolgsformel der Ursprungsserie zu halten. „Better Call Saul“ fühlt sich definitiv anders an als „Breaking Bad“, auch wenn man die Erzählweise und Stilistik des Dramas um Walter White in manchen Szenen natürlich wiedererkennt. Zu keinem Moment wirkt die Vorgeschichte des James McGill jedoch aufgesetzt sondern präsentiert dabei im Gegenteil, bereits in dieser Staffel einige Highlights, die auf jeden Fall den gleichen Qualitätsanspruch besitzen wie „Breaking Bad“. Nach Staffel eins steht fest, dass „Better Call Saul“ vor allem eins hat: Enormes Potenzial.

Nach dem Bombast, den man in den letzten Zügen von „Breaking Bad“ geboten bekommen hat, startete die neue Serie etwas gemächlicher und lässt uns von Anfang an die mal mehr und mal weniger erfolgreichen Versuche des Anwalts Jimmy McGill miterleben, so wie uns in „Breaking Abd die Anfänge von Walter Whites Kriminalitäten präsentiert wurden. Ist „Better Call Saul“ dabei erfolgreicher als seine Vorlage? Das lässt sich wohl kaum eindeutig beantworten. Sicher bin ich mir jedoch, dass so ziemlich jeder, der mit „Breaking Bad“ seinen Spaß hatte auch „Better Call Saul“ mögen wird. Wie „Breaking Bad“, lebt auch „Better Call Saul“ von seinem starken Protagonisten, der auf dem schmalen Grat zwischen gut und böse wandelt und in diesem Sinne macht die Serie inklusive Bob Odenkirk, der die Hauptrolle verkörpert und diese Arbeit fantastisch macht, auch alles richtig. Von daher erwarte ich von „Better Call Saul“ noch Großes und freue mich bereits darauf zu erfahren, wie die Geschichte von „Slippin‘ Jimmy“ weitergeht.

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