HBO-Doublefeature: The Night Of und der Westworld Pilot

Dass der US-Amerikanische Sender HBO ein Garant für wegweisende TV-Unterhaltung ist, sollte bei der Masse mittlerweile angekommen sein. Game of Thrones, The Wire, The Sopranos, True Detective; die Liste der qualitativ hochwertigen und in allen möglichen Toplisten auftauchenden Fernsehshows ließe sich noch weiter führen und macht klar, dass man von Produktionen aus dem Hause HBO mittlerweile beinahe blind feinste Unterhaltung erwarten kann. Und das hab auch ich zuletzt abermals gemerkt, nachdem ich die aktuelle Mini-Series des Senders namens „The Night Of“ fasziniert verfolgt hatte und anschließend auch die Pilotfolge des neuen Dramas „Westworld“ einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Mal wieder war klar; Was HBO anfasst, wird scheinbar im Handumdrehen zu TV-Gold.

Fangen wir mit „The Night Of“ an. Eine Drama/Krimi-Geschichte rund um den College-Studenten Nasir Kan, oder auch einfach „Naz“. Eines Nachts schnappt sich dieser unbemerkt das Taxi seines Vaters, um es rechtzeitig auf eine angesagte Party zu schaffen. Bei dieser Ausfahrt gabelt er unverhofft eine junge Frau namens Andrea auf, die den eigentlich braven Naz zum Alkohol- und Drogenkonsum verleitet. In Andreas Wohnung angekommen und nach dem Aufwachen vom narkotisiertem Beischlaf findet Naz Andrea, totgestochen in ihrem Bett wieder, doch der junge Pakistani hat keinerlei Erinnerung was nach seinem Wegdösen geschehen ist. In den gerade einmal acht einstündigen Folgen wird nun versucht die Frage nach der Schuld von Naz zu beantworten. Es entspinnt sich eine hochspannende Verknüpfung aus Anwaltsermittlung und Polizeiarbeit sowie den Erfahrungen und Wandlung, die Naz während der gleichen Zeit in Haft er- und durchlebt. Was eigentlich nach klassischer Krimi-Kost klingt wird vor allem durch die fantastische Kamera- und Schnittarbeit auf neue Ebenen gehoben. Trotz der recht simplen Settings, die das Drama bietet, wird ein hoher Wert auf eine kreative Bildsprache und künstlerische Cinematographie gelegt, was jede Szene zum großen Genuss macht.

Ebenfalls fantastisch ist das Schauspiel, vor allem das von John Tuturro in seiner Rolle als legerer Anwalt mit Fußbeschwerden (klingt merkwürdig, ist es auch, wirkt aber trotzdem eine seltsame Faszination aus) sowie das von Protagonist Naz, gespielt von Riz Ahmed, der in seiner Rolle als inhaftierter Ahnungsloser einen interessanten Einblick in die brutale und wesensverändernde Gefängniswelt bietet. Auch wenn sich der Plot gegen Ende ein klein weniger zu verwässern scheint und es schließlich zu einem unspektakuläreren Ende kommt, als man zu Beginn vielleicht vermutet hatte, kann ich für die Mini-Series „The Night Of“ definitiv eine Schauempfehlung aussprechen, da diese im Großen und Ganzen doch sehr überzeugen kann. Acht Stunden, die man gerne und vor allem schnell gesehen hat.

Kaum hatte ich „The Night Of“ zu Ende geschaut, kam HBO auch schon mit dem nächsten Leckerbissen um die Ecke, in Form von „Westworld“, einer TV-Neuverfilmung des Science-Fiction-Western Thrillers aus dem Jahre 1973. Bereits der Pilot verspricht Großes und lässt vermuten, dass uns hier eine weitere Dramaperle mit Hit-Potenzial erwarten könnte. Die „Westworld“ ist genau das, was der Name verspricht. Eine simulierte Welt, welche der Zeit der Cowboys und Indianer nachempfunden ist und in die alle Menschen mit dem nötigen Batzen Kleingeld eintauchen können. In einem riesigen Areal können die Besucher quasi ein Live-Rollenspiel mit mehreren vorgeschriebenen Storys betreiben und dabei innerhalb dieser für sie gefahrlosen Umgebung tollkühne Abenteuer erleben. Der Kniff dabei; Alle anderen Charaktere dieser Welt sind eigentlich Roboter, die allerdings in ihrer Technik soweit Fortgeschritten sind, dass sie im Grunde beinahe nicht mehr unterscheidbar von echten Menschen sind. Und hier haben wir auch schon eine der wichtigsten Thematiken in „Westworld“; die alte Frage, an welchem Punkt „Leben“ beginnt, die Frage, nach der Menschlichkeit von androiden Wesen.

Das fantastische am Piloten von „Westworld“ ist, dass er so perfekt autonom und vom Rest der Serie gekoppelt funktioniert. Natürlich habe ich bisher sonst auch keine weitere Folge gesehen, aber dieser Pilot könnte auch ohne weiteres auf diversen Filmfestspielen gezeigt werden, bietet er doch eine schöne Klammer mit der dem Zuschauer perfekt der Ton der Serie nahegebracht wird, ohne mit einem übertriebenen Cliffhanger zu arbeiten. Bereits diese erste Folge geht einem in manchen Momenten so extrem nahe, wie es manch andere Serien über Staffeln hinweg nicht schaffen. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie der weitere Verlauf von „Westworld“ aussehen wird und vor allem, ob es die Serie auch schafft, ein Charakter-Ensemble aufzubauen, dass zum Mitfiebern anregt. So grandios der Pilot auch war, ist dies momentan noch meine größte Befürchtung. Mit einem überzeugendem Trupp an Protagonisten hat „Westworld“ die Chance, auch abseits von der philosophisch hochinteressanten aber zugegebenermaßen nicht mehr ganz so frischen Thematik glänzen zu können. Ich bin extrem gespannt auf die kommenden Folgen und auf die Beantwortung der Frage, ob die Serie es schaffen wird, in den Olymp der ganz großen HBO-Produktionen a lá „Game of Thrones“ zu gelangen. Das hier scheinbar unfassbar viel Kohle hineingesteckt wurde, um genau eben dieses Ziel zu erreichen, merkt man „Westworld“ auf jeden Fall bereits am Piloten an. Hoffen wir, dass die Serie es schafft, dieses Gefühl beizubehalten.  

Und hier zum Abschluss noch ein kleiner Trailermix, geschnitten aus Promomaterial der beiden Shows. Viel Spaß beim Schauen!

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